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GEW-Studis empfehlen: Aufruf zum Boykott des CHE-Hochschulrankings

„Aufruf zum Boykott des CHE-Hochschulrankings

In den letzten Tagen haben einige Studierende einen Brief von der Universität Hamburg erhalten, in dem sie gebeten werden, online an der Bewertung ihrer Uni für das Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) teilzunehmen.

Das CHE-Hochschulranking wird jedes Jahr in der ZEIT veröffentlicht. Es gibt sich den Anschein als würde es ähnlich einer Art „Stiftung Warentest“ das Angebot der einzelnen Hochschulen kritisch prüfen und so die angehenden Studierenden mit Kriterien für ihre Hochschulwahl versorgen. Klingt erst einmal ganz harmlos, aber in Wahrheit stecken ganz andere Absichten dahinter……“

Weiter geht’s auf der Internetseite des Fachschaftsrat Erziehungswissenschaft (Uni HH)

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Wichtig ist bei der Auseinandersetzung um Privatisierung der öffentlichen Bildungsintuitionen (und dies wird auch bei einigen Gewerkschaftlichen Debatten, wie z.B. in den „Privatisierungsreports“ der GEW vernachlässigt), dass zwar Einzelne Akteure, wie z.B. der Bertelsmann Konzern diese vorantreiben weil sie davon massiv profitieren, jedoch dies nicht abgetrennt von der spezifischen Gesellschaftsform in der wir leben gesehen werden kann. Die alleinige Fokussierung auf einzelne Unternehmen, birgt die Gefahr, dass das „große Ganze“ außer acht zu lassen wird. So ist es verkürzt einzelne Kapitalist_innen in eine moralische Pflicht zu nehmen, oder sie als „gierig“ zu tadeln. Denn sie haben nichts Falsches (im Falschen ) gemacht, sondern nur nach der Logik des kapitalistischen Systems gehandelt.

Gerade in Zeiten der sog. Finanzkrise ist drauf hinzuweisen, dass es keine bösen Banken oder das böse Finanzkapital und die guten (deutschen) Unternehmen gibt, die unschuldig darunter leiden. Denn diese gern gemachte Zweiteilung öffnet die Tür für eine verkürzte Kapitalismuskritik, die dazu neigt, Kapitalismus zu personalisieren oder auf die Finanzwirtschaft zu reduzieren. Zu erinnern wäre in diesem Zusammenhang an das nationalsozialistische Bild vom „raffenden“ und „schaffenden“ Kapital mit seinem antisemitischen Hintergrund.

Natürlich finden wir, dass es Gewerkschaften es weiter darum gehen muss, weiterhin ganz traditionell die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und diese gegen die Interessen von Unternehmen durchzusetzen. Aber die Beschränkung auf „gute“ Lohnarbeit und Kritik an Unternehmen, verhindert die Entwicklung einer immer noch anzustrebenden Alternative jenseits von Lohnarbeit und Kapitalismus. Eine Gesellschaft, zu der „jeder nach seinen Fähigkeiten“ beiträgt, und „jedem nach seinen Bedürfnissen“ geschieht (Marx).

Don´t hate the players, hate the game
Kapitalismuskritik statt Kapitalist_innenkritik

PS: Um das noch besser zu verstehen empfelen wir euch den Artikel „Über die Funktionalisierung der Wissenschaft für die Staats- und Geldmacht“ zu lesen, in dem es um das Universitäts-Recht von „Freiheit von Forschung“ und die Funktion in der bürgerlichen Gesellschaft geht.

PPS: Zu dier Thematik Kapitalismus-Kritik in Gewerkschaften haben wir uns in Zusammenarbeitet mit der Gewerkschaftlichen Hochschulgruppe (GsHg) bereits in einem kritischen Aufruf zur Demo „Finanzcasino schließen“ am 12.02.09 geäußert.

Von Bildung

Vortrag: Deutscher Nationalismus 13.07

Deutscher Nationalismus
Vergangenheit – Gegenwart – Kritik

Wohin man auch schaut, überall wimmelt es von schwarz-rot-goldenen Utensilien. Von halbironischen Pickelhauben, deutschlandfarbenen Kettchen bis hin zum klassischen Autofähnchen reicht die Palette der Möglichkeiten sich offensiv zu dieser Nation und ihren besten Jungs zu bekennen.

Wie unlocker dieser „entspannte deutsche Nationalismus“ auf Kritik reagiert, durfte der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer am eigenen Leibe erfahren. Seine zur WM 2006 neuaufgelegte Broschüre „Argumente gegen das Deutschlandlied“ führte zu Beschimpfungen als „Miesmacher“ und „Ewiggestriger“ durch Politker_innen und Zeitungen aller Couleur. Doch Nationalismus gibt es nicht nur zur WM. Auch sonst herrscht allgemein der Glaube vor: Was gut für die Nation ist, ist auch gut für alle. Folgerichtig muss dann eben der Gürtel für den Standort enger geschnallt werden, denn wir sollen ja schließlich nicht enden wie die „Pleite-Griechen“.

Doch was ist eigentlich der deutsche Nationalismus, in welcher Tradition steht er und welche Argumente sprechen gegen das „Deutschlandlied“?

Vortrag mit Dr. Benjamin Ortmeyer (Goethe-Universität/Frankfurt am Main)

Wann: Dienstag, 13. Juli 2010 20:00 Uhr
Wo: Café Knallhart, Von-Melle-Park 9, Hamburg


Veranstaltet von kritischen Studierenden der Uni Hamburg,
unterstütz von den GEW-Studis

Mehr Infos zum Thema Nationalismus + Fußball:

- NEU: Broschüre zu Nationalismus und Patriotismus im allgemeinen und im Kontext der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2010 zum Lesen oder Runterladen.

- FSK- Interview „Eine Kritik am Rasensport“ mit Professor Vinnai (Prof. für analytische Sozialpsychologie)

-Die Mär vom guten Patrioten Mustergültige oder übertriebene Vaterlandsliebe? Patriot oder Nationalist – für Psychologen kein Unterschied, sie gehen Hand in Hand.

- Fußball-WM und Nationalismus

- Der Nationalismus der Guten Laune –Ein Gespräch mit Lars Quadfasel über den neuen deutschen Nationalisums. Lars Quadfasel lebt in Hamburg und ist Mitglied der Hamburger Studienbibliothek.

- Emma Goldman – Patriotismus – Eine Bedrohung der Freiheit

- Vortrag von Dr. F. Huisken zum Thema: „Balltreten für die Ehre der Nation – Alle Deutschen werden Brüder“

- Audio-Vortrag mit dem Namen „Deutschland und die Herrschaft der falschen Freiheit“ von der Gruppe T.O.P. Berlin zum Themen Nationalismus, Staat, und Kapitalismus. Zum Anhören und runter laden.

- Studie zur Fußballweltmeisterschaft – Fußballtaumel und Fremdenfeindlichkeit

Argumente gegen das Deutschlandlied

Aus aktuellem Anlass (Fußball WM) exklusiv die GEW Broschüre „Argumente gegen das Deutschlandlied – Geschichte und Gegenwart eines furchtbaren Lobliedes auf die deutsche Nation“ hier als PDF zum runter laden!

Aus dem Vorwort:

„(…) In der ersten Auflage hatte unser damaliger Bundesvorsitzender, Dieter Wunder, wohl auch in Hoffnung auf eine grundlegendere Aufarbeitung und Weiterentwicklung der Geschichte im Rahmen des Vereinigungsprozesses, in einer Presseerklärung pointiert formuliert: das „Deutschlandlied gehört ins Museum“ (Presserklärung vom 19. August 1991). Die heutige Stimmung, dass wir doch jetzt erst recht „wieder wer sind“, und doch seit 1990 weitere 16 Jahre zur Zeitspanne 1933- 1945 vergangen sind, also ein angeblich „natürlicher Patriotismus“ angesichts der gesellschaftlichen Probleme in diesem Land die richtige Antwort sei, all das ist uns nicht unbekannt.

Als Bildungsgewerkschaft GEW treten wir ganz bewusst und ganz ausdrücklich solchen Stimmungen des Nationalismus und der „deutschen Leitkultur“ entgegen und betonen die Notwendigkeit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart des Nationalismus in Deutschland und eben auch mit der Geschichte und Gegenwart des „Deutschlandliedes“, der Nationalhymne. Die Analyse von Benjamin Ortmeyer „Argumente gegen das Deutschlandlied“ leistet dafür einen fundierten Beitrag.

Die GEW erklärt deutlich: Was wir bitter nötig haben ist eine humanistische Bildung für alle und soziale Verhältnisse, die an den sozialen Bedürfnissen der Menschen und der Jugendlichen aus vielen Ländern in Deutschland orientiert sind. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Auch wir Deutschen müssen uns verändern, wenn der nötige Integrationsprozess gelingen soll. Was wir dabei ganz und gar nicht gebrauchen können ist ein Nationalismus, der die immer größer werdende soziale Kluft in diesem Land übertünchen soll und Integration mit Assimilation verwechselt.“

Gemeinsamer Aufruf zur Schulreform„Gibt es eine richtige Schule im Falschen?“

Gibt es eine richtige Schule im Falschen?

„Sind aber Schulen der falsche Ort, um eine Fertigkeit zu erlernen,
sind sie es erst recht, um Bildung zu vermitteln.
Die Schule erfüllt beide Aufgaben deshalb schlecht,
weil sie häufig nicht zwischen ihnen unterscheidet.“

(Ivan Illich)

Bildungs- und Schulpolitik sind zentrale Themen in der kapitalistischen Wissensökonomie. Das liegt daran, dass Bildung in ihr eine bestimmte Funktion hat, nämlich für die Anpassung an gesellschaftliche Normen und die Verfügbarkeit junger Menschen für den Arbeitsmarkt zu sorgen. Deshalb sind Reformen in der Schulstruktur seit über 100 Jahren ein zwischen konservativen und progressiven Kräften stark umkämpftes Thema.

Dieses Ringen um den richtigen Weg in Fragen der Schulstruktur erleben wir zur Zeit zwischen – einerseits – den sich selbst so nennenden „Die Schulverbesserer“ (Befürworter_innen der schwarz-grünen Primarschulreform) und – andererseits – der erzkonservativen Initiative „Wir wollen lernen“, die von der FDP unterstützt wird. Der Konsens der Schulverbesserer ist jedoch ein wackeliger, da das Verständnis von Bildung und Schulstruktur variiert. Die LINKE und Teile der SPD stehen eigentlich für „Eine Schule für alle“ ein. Für das gemeinsame Lernen aller Schüler_innen eines Jahrgangs von der ersten bis zur zehnten Klasse. Der Konsens eines um zwei Jahre verlängerten gemeinsamen Lernens durch die Primarschule beinhaltet also, dass er für einige nur ein erster Schritt zu einer 10jährigen Gemeinschaftsschule sein soll. Doch ist das realistisch? Sind die Chancen auf „Eine Schule für alle“ nicht gerade durch die Primarschule auf Jahre hin verbaut?

Die 2009 beschlossene Schulreform des schwarz-grünen Senats soll die vierjährige Grundschule durch die sechsjährige Primarschule ersetzen und statt des viergliedrigen Schulsystems soll es in Zukunft nur noch zwei Schulformen – die exklusiven Gymnasien und die Stadtteilschulen, wobei Sonderschulen wie üblich vergessen werden – geben. Dagegen gründete sich bereits Anfang 2008 die Initiative „Wir wollen lernen“. Diese versucht per „Volksentscheid“ die Reform aufzuhalten. Mit einer kalkulierten Mischung aus Panikmache und haltlosen Behauptungen betreibt die Initiative billige Propaganda um Bildungsprivilegien zu retten. Dabei schrecken sie auch nicht vor der Verdrehung von Tatsachen zurück. So wird z.B. propagiert, dass die Einführung von Stadtteilschulen die soziale Spaltung in der Stadt verschärfen würde – und –, dass das mehrgliedrige Schulsystem als Ausdruck erhaltenswerter „Bildungsvielfalt“ zu verstehen sei. Es ist dreist soziale Selektion als Vielfalt zu bezeichnen.

Dass hinter dieser Kampagne vor allem ein herrschaftliches Klientel steckt, zeigt sich unter anderem daran, dass auf juristischem Wege alles in Gang gesetzt wird, um Proteste gegen die eigene Initiative mundtot zu machen. So wurde der „Jungen GEW“, die mit einem Konterfei Sky du Monts (einem der prominenten Unterstützer) auf Masken und Flyern gegen „Wir wollen [ohne die Arbeiter_innenkinder] lernen“ protestierte, eine Klage wegen der Verletzung von Persönlichkeits-rechten angedroht. Streitwert: 50.000€.

Das elitäre Volksbegehren war zwar schließlich mit mehr als 180.000 Unterschriften erfolgreich, dennoch brachte der anschließende Dialog zwischen Senatspolitiker_innen und Vertreter_innen der Initiative keine Einigung, was bedeutet, dass es bis zum 18. Juli 2010 einen Volksentscheid geben wird, in dem für oder gegen die Schulreform entschieden werden kann.

Schule und Diskriminierung als System

Das vielgliedrige deutsche Schulsystem ist das selektivste in den so genannten westlichen Industrieländern. So belegen die PISA-Studien, dass die Wahrscheinlichkeit einer gymnasialen Schullaufbahn für ein Akademiker_innenkind gegenüber einem Arbeiter_innenkind sogar bei schlechterer Leistung deutlich höher liegt. Auch im Bericht des UN-Sonderberichterstatters fürBildung, Vernor Muñoz, wurde 2007 festgestellt, dass die frühe Selektion im deutschen Schulsystem dazu führt, dass ohnehin schon benachteiligte Kinder und Jugendliche doppelt benachteiligt werden. Diese strukturelle Diskriminierung im deutschen Schulsystem äußert sich z.B. darin, dass an Sonder- und Hauptschulen der Anteil an Schüler_innen mit geringem kulturellen Kapital, Migrationshintergrund oder Behinderungen im Vergleich zu anderen weiterführenden Schulen überproportional hoch ist.

Gegen diese Selektion richten sich auch einige Unternehmensvertreter_innen, die sich durch längeres gemeinsames Lernen Verbesserungen erhoffen. Gemein ist eben auch, dass das Gemeinsame zu den Erfordernissen einer auf Teamarbeit basierenden kapitalistischen Wirtschaft passt. Deshalb sind Schulen – als zentrale ideologische Staatsapparate – bei der Verinnerlichung und Verallgemeinerung kapitalistischer Produktionsverhältnisse bzw. in der Formierung ent- sprechender Subjektivitäten behilflich. Weil der Kapitalismus sich geändert hat, ändern sich nun die Bildungseinrichtungen.

Ein – wenn auch unzureichender – Schritt in die richtige Richtung

Die Überwindung des exklusiven Schulsystems in Richtung eines inklusiven, in dem sich Schüler_innen in solidarischen Lernformen gegenseitig in der Entwicklung unterstützen und nicht aufgrund von scheinobjektiven Leistungsunterschieden selektiert werden, ist dringend erforderlich, die schwarz-grüne Reform ist hierfür jedoch höchstens ein erster Schritt. Es wird Teil des weiteren sozialen Kampfes um freie Bildung bleiben, ob die Schule sich in Richtung einer zunehmenden Verinnerlichung gesellschaftlicher Herrschaftsbeziehungen durch die Erlangung von Beschäftigungsfähigkeit entwickelt oder ob sie als Chance für eine tiefergehende soziale Öffnung und Durchlässigkeit des (Bildungs-)Systems im Sinne einer größeren gesellschaftlichen Handlungsfähigkeit der Menschen verstanden werden kann.

Die progressiven Forderungen nach „besserer Bildung für alle“ sind mit der Analyse des Zwecks von Bildung im Kapitalismus zu verbinden. Dies auch, um zu untersuchen, warum Schulen nicht dazu taugen jene Art des schöpferischen Lernens zu fördern, welche mit dem Begriff ‚liberal education’ umschrieben werden kann: die forschende Anwendung erworbener Fertigkeiten, die weder zweckgebunden noch auf bereits festliegende Ergebnisse ausgerichtet ist. Es geht somit um eineEntschulung und nicht um eine andere Schule.

Zumal die Kritik an der Verschulung sich im Aufbau von Alternativschulen erschöpft hat und nur eine andere Art und Weise von Unterrichtung hervorgebracht hat. Was der Logik nach etwa so wirkt, als wenn der auf fossilen Brennstoffen basierende Kapitalismus dadurch ökologisch nachhaltig werden soll, indem das Sparauto für alle eingeführt wird. Umso mehr ist dem Appell von Ivan Illich zuzustimmen: „Überall bedarf nicht nur das Bildungswesen, sondern die Gesellschaft als Ganzes der ‚Entschulung’. […] Die radikalste Alternative zur Schule wäre ein Netzwerk oder ein Service, der jedermann die gleiche Gelegenheit bietet, seine jeweiligen Anliegen mit anderen zu teilen, welche dieselben Anliegen haben.“ So wird erkennbar, dass es eigentlich um eine post-kapitalistische Konstellation geht, in der eine umfängliche Entschulung, als Emanzipation der Subjekte von erziehender Entwicklung, möglich wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wer nur gegen das bildungselitäre „Wir wollen lernen“-Volksbegehren protestiert, nicht automatisch für eine andere und emanzipatorische Bildung eintritt. Nichtsdestotrotz könnte die Schulreform des Senats eine tendenzielle Abkehr vom viergliedrigen Schulsystem als historisch überholtes deutsches Unikat ermöglichen. Ein Scheitern der Reform würde bundesweit die durchaus bestehenden Hoffnungen zur Veränderung des Schul- systems deutlich schwächen.

Keine Stimme für „Wir wollen lernen“! Beteilige Dich an den Aktionen gegen das Volksbegehren „Wir wollen lernen“.

Für selbstbestimmte Bildung und Wissens-Communismus!

Unterstützer_innen: Gewerkschaftliche Hochschulgruppe (GsHg), Avanti /undogmatische Linke, Junge GEW, ver.di Studierende, Linke SDS, Regenbogen/Alternative Linke und GEW-Studis

Der Aufruf als PDF: Gibt es eine richtige Schule im Falschen?

Infoveranstaltung zur Schulreform

Info- und Diskussionsveranstaltung zur schwarz-grünen Schulreform

Spätestens am 18.7.2010 können die wahlberechtigten Hamburger_innen in einem Volksentscheid darüber entscheiden, ob Schulkinder in Zukunft länger gemeinsamem lernen, oder ob sie (nach dem Willen der Initiative „Wir wollen lernen“) weiterhin nach der vierten Klasse auf Sonder- Haupt- Realschule oder Gymnasium verteilt werden.

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass das derzeitige deutsche Schulsystem eben wegen seiner Mehrgliedrigkeit das Selektivste in den sog. westlichen Industrieländern ist. So hat die PISA- Studie belegt, dass die Wahrscheinlichkeit eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen, für ein Akademikerkind in Deutschland etwa siebenmal so hoch wie jene eines Facharbeiterkindes ist. Auch haben wissenschaftliche Studien belegen, dass längeres gemeinsames Lernen, wie es in vielen anderen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wird, leistungsstärkere Schüler_innen nicht einschränkt und gleichzeitig aber Leistungsschwächere mehr fördert.

Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass fast alle, die sich in Hamburg mit Schule und Bildung beschäftigen, die schwarz-grüne Schulreform unterstützen. So haben die Vertretungen derjenigen, die direkt mit Schule befassten wie Elternkammer, die Lehrer_innenkammer, die Schüler_innenkammer, diverse Elternräte, und Kreiselternräte (KER) aber auch die beiden Gewerkschaften, die an Hamburgs Schulen vertreten sind (GEW und ver.di) für die Schulreform gestimmt.

Trotzt alle dem haben die Schulreformgegner_innen mit ihrer Initiative „Wir wollen [nicht mit Arbeiterkindern] lernen“ es geschafft viele Hamburger_innen auf ihre Seite zu ziehen, und ende 2008 mehr als das Doppelte der erforderlichen Unterschriften (21.000 anstatt der gesetzlich Zahl von 10.000) für die Zulassung des derzeitigen Volksentscheid zu sammeln. Die Kritik, es währe nur das reiche Bürgertum aus den Elbvororten welches die (Bildungs-)Privilegien ihrer Kinder verteidigen wolle, greift somit kurz!

Deswegen wollen wir am 10. Juni mit dem Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) u.a. darüber diskutieren warum es so einen starken Widerstand gegen die geplante Schulreform gibt. Welche Ängste Eltern von Schulkindern dazu bewegt gegen ein längeres gemeinsames Lernen zu sein, warum man auch als „Linker“ mit der schwarz-grünen Schulreform unzufrieden sein könnte, und warum man trotzdem für diese Reform stimmen sollte.


Info- und Diskussionsveranstaltung zur Schulreform:
Wann: Do. 10. Juni, 19:00 Uhr
Wo: Von-Melle-Park 8 Raum 206

Organisiert von den GEW-Studis

Veranstaltungs-Tipp: „Schöne neue Bildung?“

„Schöne neue Bildung?“ – Konferenz zur kritischen Reflexion der gegenwärtigen Hochschulgestaltung und zur Entwicklung emanzipatorischer Alternativen

Europa soll – so will es die viel zitierte Lissabon-Strategie der EU – bis zum Jahr 2010 „zur wettbewerbsstärksten und dynamischsten wissensbasierten Ökonomie der Welt”[1] gerüstet werden. Der damit einhergehende ökonomische Strukturwandel, der bereits im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts eingeleitet wurde, brachte eine grundlegende Umgestaltung des gesamten öffentlichen Sektors mit sich. Einbezogen sind darin auch und gerade die Einrichtungen des Bildungswesens und in besonderem Maße die Universitäten. Soweit es die Universitäten betrifft, soll die beabsichtigte Strukturreform in Richtung ‚Wissensgesellschaft’ in diesem Jahr, mit dem Ende des Bologna-Prozesses, formal abgeschlossen werden.

Die Anforderung, die mit der Strukturreform an die Universitäten gerichtet wird, besagt, dass diese sich auf die Mechanismen kapitalistischer Konkurrenz einzustellen und entsprechend nach einzelbetrieblichen Management-Prämissen umzustrukturieren haben. Betont wird die ökonomische Rolle der Universitäten im internationalen Wettbewerb. Dass Universitäten jedoch auch darüber hinaus gehende, vielleicht sogar noch ganz andere Funktionen und Bedeutungen haben könnten und sollten, wird dagegen kaum artikuliert.

Dieser Sachverhalt wirft verstärkt Fragen genau hiernach auf: Welche gesellschaftliche Rolle soll und kann die Universität in Zukunft spielen? Ist die Aufgabe der Universität, „ihre Kräfte für die Gestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt einzusetzen“,[2] in Zeiten des Neoliberalismus obsolet geworden?

Europaweit organisieren Mitglieder der Universitäten Widerstand gegen die dominante Ausrichtung von Forschung, Lehre und Studium auf ökonomische Konkurrenz und marktförmige Verwertbarkeit. In der öffentlichen Rezeption dieses Widerstands wurden die Proteste jedoch auf reformierbare Einzelaspekte, wie z.B. die hohe Prüfungsdichte, reduziert. Diese sind aber nur Symptome und nicht Ursache des zu kritisierenden Sachverhalts.

Mittels kritischer Reflexion der vorgesehenen und der wünschenswerten Gestaltung der Universität wollen wir Alternativen einer Universität im 21. Jahrhundert ausloten, die friedlich, fortschrittlich und emanzipatorisch sind. Wir laden hiermit alle Interessierten zur Teilnahme ein!

Hier das Programmheft als PDF und noch mehr Infos gibt’s auf: www.schoene-neue-bildung.de

Euromayday: Statement zur Schulreform

Pro Schulreform Alter! – Wir sind nicht die Typen, die sich mittags beim Rotary-Club treffen und auch nicht die Frauen, die beim Golfen über Ratings diskutieren. Wir sind diejenigen, die bei Lidl einkaufen, mit dem Latte-Becher ständig auf Achse sind und auch wenn wir nicht alle Kinder haben, sind wir Kinder der Bildungsreform, und es geht uns sehr wohl was an, wie Bildung in dieser Stadt verhandelt wird.
Die Herren und Frauen der Excellenzklasse Hamburg meinen, sie wollen lernen? Wir sagen, wenn sie von Bildung reden, wollen sie ihren Besitzstand bewahren.
Haben die etwa Angst, mit uns oder unseren Kindern zu lernen!?? Dann sollen sie die Finger lassen von den staatlichen Schulen und mit ihrem Schotter eigene Elitenschulen bauen, wo sie unter sich bleiben können.
Wir lernen schon! Und zwar gemeinsam, denn lernen ist für uns neugierig sein, Akzente und Besonderheiten verstehen, Umwege genießen, mehr Wissen als vorher haben, fragen, Infrage stellen, inne halten, sich Platz nehmen, seinen Platz finden, weiter machen, abchecken, aushandeln, sich streiten, sich einigen und alles speichern und verknüpfen.
Handeln und teilhaben.
Es ist die Stadt, mit ihrer Unterschiedlichkeit, die klug macht, und es sind nicht die Bildungsghettos der Parallelgesellschaften in Blankenese, Pöseldorf und Co.
Unser Grinsen wird euch (am 18. Juli) in die Wahlkabinen begleiten.
Und am Ende lacht das akademische Proletariat!

((auch schon Redebeitrag auf der Parade))

GEW-Studis empfehlen: Der Bildungsadel spricht zu den Massen!

Jedes Kind ist anders!

Eine Bauernschule, eine Bürgerschule, eine Gelehrtenschule – so sah und sieht unser Bildungsideal aus. Denn: Was früher richtig war, kann doch heute nicht falsch sein!
Im dreigliedrigen Schulsystem sehen wir Bildungsvielfalt in ausgezeichnetem Maße. Schließlich wissen wir: Begabung wird vererbt! Und vom Erben verstehen wir etwas. Außerdem möchten wir nicht, dass unsere Kinder mit Proletarierkindern in Kontakt kommen. Die sind oft sehr rüpelhaft.

Unter den Älteren von uns können sich viele noch gut erinnern: Unter der napoleonischen Schreckensherrschaft gab es schon einmal ein Gebilde, das unter dem Namen „Ecole Primaire“ eine Grundschule für alle darstellte. 1920 waren es dann die Novemberverbrecher, die unserem heiligen Vaterlande eine solche Schule aufzwangen. 1948 waren es wiederum Fremdländer, nämlich die sog. alliierten Besatzungsmächte, welche zuvor unser Land raffgierig und völlig grundlos unterworfen hatten, die dem deutschen Volk eine noch längere Einheitsschule aufzwängen wollten. Später waren es dann irgendwelche langhaarigen Affen, die was von „Gesamtschule“ redeten. Wir haben uns stets erfolgreich dagegen gewehrt, und wir werden es immer wieder tun!

Ole, ein gefallener Engel

Ausgerechnet Ole von Beust, von der CDU, der einst noch mit höchst seriösen Politikern (Ronald B. Schill) koalierte, hat sich nun von den Agenten Moskaus, den sog. Grünen, unter ihre ökoterroristischen Fittiche nehmen lassen. Diese Extremisten, die man unserer Ansicht nach noch nicht einmal in die Nähe des Rathauses lassen dürfte, dürfen nun über das Schicksal unserer Kinder entscheiden! Dass die CDU in der Frage der Bildung jetzt auch noch mit den Postkommunisten und Stalinisten der Linkspartei ins Bett steigt, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Jetzt ist es Zeit sich zu wehren! Unser Schulsystem verteidigen heißt auch unsere Ehre verteidigen! Nur in den Bundesrepubliken Deutschland und Österreich ist doch überhaupt noch standesgemäße Bildung möglich, wie zahlreiche internationale Studien beweisen. Schimpf und Schande allen anderen Nationen, die sich längst von den Gleichmachern haben unterbuttern lassen! Hier sind wir ganz Lutheraner, denn für uns gilt: Jeder soll in seinem von Gott gegebenen Stand bleiben. (vgl. 1. Korinther 7,20)

Wir sind Yuppies, was seid ihr?!

Wir lassen nicht zu, dass mit unserem Geld den unteren Kasten der Zugang zu höheren Schulen erleichtert werden soll. Schließlich sind wir die Leistungsträger dieses Landes und unsere Kinder sollen das merken. Mit „Zweitem Bildungsweg“ und „Integrierten Gesamtschulen“ hat man unsere Geduld schon genug strapaziert. Jetzt ist ein akademisches Proletariat heran gewachsen, das sich kaum noch kontrollieren lässt. Wir werden dies nicht länger hinnehmen!

Die Primarschule ist ein Menetekel auf dem Weg zur Gleichschaltung und der Entziehung unserer bürgerlichen Rechte. Am Ende droht der Super-GAU (Gemeinschaftschule) und der damit verbundene Untergang des Abendlandes. Wehret den Anfängen! Am Ende wird sich Deutschland noch in eine sozialistische Volksrepublik, wie die USA oder das Vereinte Königreich verwandeln.

Die Primarschule ist mit allen zur Verfügung stehenden Waffen zu verhindern!

Kommt zu unserer Kundgebung am Dienstag, 8. Juni!
17.00 Uhr – Rathausmarkt
Um adrette Kleidung wird gebeten.
Der Bildungsadel – Herkunft muss sich wieder lohnen!

Höhr-Tipp

Michael Hartmann zum Hamburger Schulkampf

Wer mehr zu den Hintergründen des Hamburger Schulreform-Streit erfahren willen, dem sei das Interview von Prof. Michael Hartmann (Eliteforscher der Uni Darmstadt), mit dem „Freies Sender Kombinat“ aus Hamburg ans Herz gelegt.
Es ist mit 43 Minuten etwas länger, dafür geht Hartmann jedoch auch auf die gesellschaftspolitische Bedeutung von Bildung und Klassismus ein.

Sehr Interessant !!

Heraus zum 5. Juni!


Schulverbesserer-Parade
für längeres gemeinsames Lernen in der Primarschule


Am 18.7.2010 entscheiden die Hamburger_innen in einem Volksentscheid, ob unsere Kinder in Zukunft länger gemeinsamem Lernen oder ob – nach dem Willen der Bildungselitären Initiative „Wir wollen [nicht mit Arbeiterkindern] lernen“- weiterhin nach der vierten Klasse frühzeitig selektiert werden.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass das derzeitige deutsche Schulsystem eben wegen seiner Mehrgliedrigkeit das Selektivste in den sog. westlichen Industrieländern ist. Bereits die PISA-Studien haben belegt, dass die Wahrscheinlichkeit eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen, für ein Akademikerkind in Deutschland etwa siebenmal so hoch wie jene eines Facharbeiterkindes ist. Das bedeutet konkret, dass der Bildungserfolg eines Kindes maßgeblich von seiner Herkunft abhängt. Auch der UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz stellte 2007 fest, dass die frühe Selektion im deutschen Schulsystem sowieso schon benachteiligte Kinder doppelt benachteiligt: Kinder aus sozial schlechter gestellten Schichten, Kinder mit sog. Migrationshintergrund und Kinder mit sog. Behinderungen werden systematisch benachteiligt und diskriminiert.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass längeres gemeinsames Lernen, wie es in vielen anderen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wird, die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler nicht einschränkt und gleichzeitig aber Leistungsschwächere mehr gefördert werden. Alle Schülerinnen und Schüler profitieren also von der geplanten Schulreform.

Für uns als junge Lehrer_innen, Studierende und Beschäftigte in pädagogischen Einrichtungen ist klar: auch wenn 6 Jahre nur ein kleiner Schritt zu längerem Lernen sind, so ist es in der derzeitigen Situation absolut nötig, für die Primarschule und gegen die Scheuerl-Initiative zu stimmen. Denn das schwarz-grünen Reförmchen ist ein – wenn auch unzureichender – Schritt in die richtige Richtung um das viergliedrige Schulsystem als historisch überholtes deutsches Unikat zu überwinden.

Zudem kommt dem Volksentscheid bundespolitisch eine große Bedeutung zu: Denn sollte der (Schul)Klassenkampf von der elitären „Wir wollen lernen“ Initiative Erfolg haben, dann sind Bildungsungerechtigkeit für die nächsten Jahre und damit eine Privilegiensicherung für eine bestimmte Gruppe festgeschrieben!

Schulverbessererparade Für längeres gemeinsames Lernen in der Primarschule!
Samstag, 5. Juni 2010 Auftakt 12:00 Moorweide

Info- und Diskussionsveranstaltung zur Schulreform: 10. Juni, 19:00 Uhr im Von-Melle-Park 8 Raum 206