Tipp: Lehrer_innenbildung in Deutschland

Sie ist zwar schon ein Jahr alt, aber immer noch höchst interessant. Die GEW Broschüre „Lehrer_innenbildung in Deutschland – Eine phasenübergreifende Analyse der Regelungen in den Bundesländern. von Maik Walm und Doris Wittek“. 76 Seiten. Hier als pdf zum Download. Unten stehend das Vorwort aus der Dokumentation:

Die Lehrerinnen- und Lehrerbildung ist zu einer bildungspolitischen Dauerbaustelle geworden. Jede Schulreform in einem der 16 Bundesländer, jede neue gesellschaftliche Herausforderung, die auf Schulen zukommt, wirft die Frage auf, ob die Strukturen und die Inhalte der Lehrerinnen- und Lehrerbildung noch zeitgemäß sind und wie die Lehrprofession auf dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis gesichert und entwickelt werden kann. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Lehrkräfte in Schulen, Hochschulen und in der Fort- und Weiterbildung organisiert, hat sich mit dieser Frage intensiv beschäftigt.

Der Großteil der Reformen der vergangenen Jahre wurde mit dem Bologna-Prozess begründet und war vor allem struktureller Art. Die qualitative Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wurde hingegen vernachlässigt. Bereits ein grober Blick auf Struktur, Organisation, Stufung und Dauer der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in den Bundesländern zeigt überdies: diese gleicht einem föderalen Flickenteppich.

Mit der vorliegenden Dokumentation zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Deutschland möchte die GEW eine Orientierungshilfe für diesen Flickenteppich geben. Die phasenübergreifende Analyse der Regelungen in den 16 Bundesländern, die Maik Walm und Doris Wittek vorgenommen haben, vergleicht nicht nur die Strukturen des lehrerbildenden Studiums, des Vorbereitungsdienstes sowie der Fort- und Weiterbildung, sondern untersucht darüber hinaus phasenübergreifende Kooperationsbeziehungen und nimmt am Beispiel von Inklusion und Gender den Umgang mit Heterogenität in der Ausbildung in den Fokus. Daneben wird der Quer- und Seiteneinstieg von Lehrkräften in den
Blick genommen. Die Analyse erfolgt vor dem Hintergrund einer problemorientierten Darstellung der Geschichte der Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Deutschland, die auch Positionen bildungspolitischer Akteure einbezieht.

Mit der Veröffentlichung der von der Max-Traeger-Stiftung (MTS) geförderten Expertise möchte die GEW nicht nur angehenden Lehrerinnen und Lehrern eine Orientierungshilfe geben, sondern auch allen Kolleginnen und Kollegen, die sich in der Bildungs- und Hochschulpolitik, in Bund und Ländern, an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, in Studienseminaren, Lehrerbildungszentren, an Schulen sowie in Fort- und Weiterbildungseinrichtungen für eine Weiterentwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung einsetzen.

Maik Walm und Doris Wittek kommen in ihrer Zusammenfassung zu der Schlussfolgerung, Lehrerinnen- und Lehrerbildung habe „jeweils separat, insbesondere in der universitären Phase, Bewegung erzeugt und erlitten, ohne sich grundsätzlich neu zu orientieren.“ Demgegenüber macht sich die GEW dafür stark, die Lehrerinnen- und Lehrerbildung als ganzheitlichen, institutionenübergreifen den Prozess zu verstehen und als solchen weiterzuentwickeln und zu reformieren: vom Hochschulstudium über das Referendariat bis hin zur Berufseinstiegsphase sowie berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer.

Um den kommenden Herausforderungen zu begegnen und die Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu kunftsfähig zu machen, müssen Bund, Länder und die Hochschulen ihren Beitrag dazu leisten, die Kapazitäten in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung auszubauen, die Attraktivität des Lehrerberufs zu fördern, die Ausbildung qualitativ zu reformieren, die Strukturen der Ausbildung an den Hochschulen leistungsfähig zu gestalten und die Fort- und Weiterbildung zu entwickeln. Dazu wird die GEW gern ihren Beitrag leisten.

In diesem Sinne wünscht sich die Bildungsgewerkschaft GEW eine breite Rezeption und Diskussion der vorliegenden Studie, von der wir uns Anstöße für die Weiterentwicklung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Deutschland versprechen. Abschließend sei Maik Walm und Doris Wittek herzlich für die Erarbeitung der wertvollen Expertise gedankt, deren Ergebnisse erstmals bei der GEW-Konferenz zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung im November 2012 in Bad Hersfeld zur Diskussion gestellt wurden und nun von der GEW veröffentlich werden. Der Max-Traeger-Stiftung danken wir für die Förderung der Arbeit.

Frankfurt am Main, im März 2013

Marianne Demmer GEW-Vorstandsmitglied für Schule
Dr. Andreas Keller GEW-Vorstandsmitglied für Hochschule und Forschung
Dr. Stephanie Odenwald GEW-Vorstandsmitglied für Berufliche Bildung und Weiterbildung

Broschüre Dschungel Referendariat Hochschule und Forschung Hochschulen Lehrer innenbildung