Artikel in der hlz: Lampedusa in Hamburg – Politikunterricht auf der Straße

In der aktuell erschienenen hlz ist ein Beitrag von uns über den Hamburger Refugee Schulstreik vom 12.12. Damals zogen über 3.500 Teilnehmende für ein Bleiberecht fürGefüchtete durch die Hamburger City. Auch die GEW Hamburg unterstütze den Schulstreik. Die komplette Ausgabe der hlz als Online-Version gibt’s hier. Und den Artikel hier:

Lampedusa in Hamburg – Politikunterricht auf der Straße
Schulstreik und Demo für ein dauerhaftes Bleiberecht der Gruppe Lampedusa

In Hamburg geht es politisch derzeit hoch her. Neben den Protesten gegen den „Mietenwahnsinn“, für den Erhalt derRoten Flora und gegen eine von der SPD und der Polizei inszenierte Kriminalisierung der Proteste geht es auch um denBleiberechtskampf der Gruppe Lampedusa in Hamburg, der als symbolisch für die verfehlte Migrationspolitik des Hamburger Senats und der BRD gelesen werden kann.
Teilweise schon nach Lybien gelohen, waren die Betroffenen 2011 aufgrund des Bürgerkriegs gezwungen, das Land zu verlassen und kamen nach Europa, wo sie die italienschen Behörden mit 500 Euro und einem Visium für den Schengenraum ausstatteten und weiterschickten. Seit März 2013 beinden sich die Geflüchteten der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ in der Stadt und fordern ein dauerhaftes Bleiberecht für die gesamte Gruppe.
Trotz der ständigen Gesprächsangebote und diversen Protestaktionen der Gruppe und ihrer Unterstützer_innen weicht der Hamburger SPD-Senat nicht von seiner harten Linie ab, sondern reagiert stattdessen mit rassistischen Polizeikontrollen und rechtfertigt seine Politik mit der herrschenden Gesetzeslage.
Der Kreis der Unterstützer_innen wächst dafür stetig. Zeitweise täglich demonstrieren Menschen auf vielfältige Weise ihre Solidarität und zeigen dem Hamburger Senat, was sie von seiner Politik halten. Dabei müssen sie sich immer wieder mit der Polizei auseinandersetzen, denn Innensenator Neumann sieht in Hamburg „kein konkretes politisches Problem“ (Voigts, 2014) und setzt lieber auf Repression und Kriminalisierung der Proteste. Neben Kirchen, Sportverbänden, Gewerkschaften, sozialen Einrichtungen, politischen Gruppen etc. haben sich auch Hamburger Schüler_innen zusammengeschlossen und am 12. Dezember einen Schulstreik organisiert. Schüler_innen aus über 40 Schulen beteiligten sich an dem Streik, trotz der Drohung der Schulbehörde: «Wer fehlt, wird ins Klassenbuch eingetragen und braucht eine Entschuldigung der Eltern». Unterstützt wurden die Schüler_innen hin- von der GEW, die den Schulstreik „als praktischen Politikunterricht“ empfahl.
Bereits Wochen vorher traf sich die offene Vorbereitungsgruppe regelmäßig im Centro Sociale, um den Streik und die geplante Demo zu organisieren. Am 12. Dezember um 10 Uhr versammelten sich schließlich ca. 3500 Menschen am Hamburger Hauptbahnhof, um lautstark und entschlossen durch die Mönckebergstraße, vorbei an der Ausländerbehörde bis zur SPD-Parteizentrale zu ziehen. In Redebeiträgen wurde auf die Situation der Gelüchteten aufmerksam gemacht, auf den §23 verwiesen, der ein Bleiberecht für politische Gruppen ohne Einzelfallprüfung möglich macht, und es wurden Forderungen an den Senat formuliert. Unter Parolen wie „Kein Mensch ist illegal“, „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here” und „Ganz Hamburg hasst die SPD“ kam die Demonstration schließlich vor deren Parteizentrale an, wo sich jedoch außer ein paar feixender Jusos niemand von der Partei blicken ließ. Den Abschluss fand die Demo schließlich vor dem DGB-Haus, wo noch einmal öffentlich zum Nachbereitungstreffen eingeladen wurde.
Die beharrlich als unpolitisch kritisierte Jugend ist, im Gegensatz zu Herrn Senator Neumann, eben doch in der Lage, politische Konlikte zu erkennen und in diese einzugreifen. Eine Unterstützung seitens der Behörde wäre wünschenswert gewesen, aber aktuell wohl eher utopisch. Umso wichtiger ist jedoch ein entsprechendes Handeln der Pädagog_innen: Um die bestehenden Zustände zu hinterfragen, ist ein Wissen über gesellschaftliche Verhältnisse sowie Raum und Zeit für die Auseinandersetzung mit diesen notwendig. Gesellschaftsutopien können nicht gelehrt werden, sondern es können nur begünstigende Möglichkeiten geschaffen werden. Pädagogik ist immer auch politisch und wenn sie demokratisch sein will, sollte sie Freiraum für die Entfaltung eigener Widerständigkeit lassen!

Ronja Heinelt
GEW Studi-Gruppe

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Großdemonstration und politisch-kulturelle Parade von Lampedusa in Hamburg

Samstag, 1. März 2014, 13°° Uhr Hamburg-Hbf, Hachmannplatz
Infos auf www.lampedusa-in-hamburg.org

Lampedusa in Hamburg Streik!

1 Antwort auf “Artikel in der hlz: Lampedusa in Hamburg – Politikunterricht auf der Straße”


  1. 1 Artikel in der hlz: Lampedusa in Hamburg – Politikunterricht auf der Straße « GEW-Studis Hamburg Pingback am 06. Februar 2014 um 3:40 Uhr
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