Veranstaltung zu den chilenischen Bildungsprotesten 31.01./ Uni Hamburg

Bildungsstreik in Chile 2011 ff.
Informations- und Diskussionsveranstaltung zu den Bildungsprotesten in Chile

31.01.2012/ 19:00 Uhr/ Uni Hamburg / Hauptgebäude ESA 1 / Hörsaal A
(hier Flyer und Plakat als PDF zum Runterladen.)

„¡Y va a caer, y va a caer, la educación de Pinochet!“ –
„Und sie muss weg, und sie muss weg, die Bildungspolitik Pinochets!“

Mit diesem Gesang erinnern die chilenischen Bildungsaktivist_innen daran, dass im Bildungssystem die Folgen der Militärdiktatur nicht überwunden sind. Nachdem 2006 Schüler_innen begonnen hatten gegen die Bildungspolitik zu protestieren, rollte 2011 eine weitere, weitaus größere und radikalere Bildungsprotestwelle durchs Land. Was die Schüler_innen, Student_innen, Lehrer_innen, und alle die sich mit ihnen solidarisieren, auf die Straße treibt, ist u.a., dass die öffentliche Schulbildung noch katastrophaler unterfinanziert ist, als bspw. in Deutschland. Zudem ist sie nicht minder selektiv: Während 90% der Schüler_innen an Privatschulen die obligatorische Aufnahmeprüfung für die Universitäten bestehen, gelingt dies nur 50% der Schüler_innen von öffentlichen Schulen. Allerdings sind nur 10% der Eltern wohlhabend genug, um den Besuch einer Privatschule finanzieren zu können…

Laura Ortiz vom Schülerbündnis Asamblea Coordinadora de Estudiantes Secundarios (ACES) fasst die aus dieser Misere erwachsenen Forderungen so zusammen: „Wir wollen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, eine laizistische, kostenlose und gute öffentliche Bildung, eine Verbesserung der Infrastruktur und der sozialen Situation an den Fachhochschulen, und dass die Schulen, die vom Erdbeben im letzten Jahr getroffen wurden, nicht privatisiert werden.“ Einige der Protestierenden wollen jedoch weiter gehen. Sie wollen das Bildungssystem komplett verstaatlichen und unterbinden, dass daraus Profite gepresst werden können.

Die Bewegung an sich ist sehr heterogen – Studierendenorganisationen haben andere Themen im Blick, als die Schüler_innenorganisationen oder die Lehrer_innenverbände. Sie alle eint jedoch die Ablehnung des neoliberalen, marktdominierten Bildungssystems Chiles.

Präsident Piñera kündigte indes an, dass die Regierung einen Reformvorschlag erarbeiten will, der unter anderem eine Reformierung des Stipendien- und Studienkreditsystems vorsieht. Ein Witz, angesichts der allgemeinen Forderungen nach strukturellen Reformen und der Überwindung der sozialen Selektion des Bildungswesens. Es geht den Protestierenden eher um eine radikale gesellschaftliche Transformation, als um ein bisschen mehr Geld. Denn eines gilt für Hamburg, Deutschland und Europa, wie für Chile: Bildungsfragen sind grundsätzlich Gesellschaftsfragen, und wer das Bildungswesen verändern will, kommt nicht darum herum, die Festungen der bestehenden Gesellschaft zu überwinden. Für Chile lässt sich diese Hinwendung zur Gesellschaft bereits daran erkennen, dass nun die Forderung nach einem Volksentscheid gestellt wird. Der Hardliner vom Dienst, Innenminister Rodrigo Hinzpeter, beschränkt sich unterdessen darauf, Gewalt auf den Demonstrationen zu verurteilen, brutale polizeiliche Übergriffe jedoch zu verharmlosen und eine Verstaatlichung des Bildungswesen schlicht zu einer Katastrophe zu erklären.

Ob grundlegende Veränderungen zu erwarten sind, ist momentan noch offen. Denn auch in Chile ist das neoliberale Mantra „Marktfreiheit, Marktfreiheit, Marktfreiheit“ auf allen Ebenen der Gesellschaft weit verbreitet. Allerdings machen die Massenproteste und die sich verbreiternde Unterstützung deutlich, dass die Akzeptanz für das aus Zeiten Pinochets stammende Bildungssystem abnimmt.

Mit der Informations- und Diskussionsveranstaltung möchten wir alle Interessierten einladen auf Grundlage eines lebendigen Berichts der Sprecher_ innen der chilenischen Studierenden und einem Vertreter des Gewerkschaftsdachverbandes CUT in ein Gespräch über Bildung, Widerstand und progressive Entwicklungen einzutreten. Den internationalen Austausch zu fördern ist für uns nicht nur ein Akt praktischer Solidarität, sondern auch eine reale Lernmöglichkeit über Sprachbarrieren hinweg. (Die Veranstaltung wird auf Spanisch-Deutsch übersetzt)

Die Delegation besteht aus:

Camila Vallejo Dowling, Presidenta de la Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile
Jorge Andres Murúa Saavedra, Consejero Nacional de la CUT und
Karol Aida Cariola Oliva, Ex-Presidenta de la Federaciòn de Estudiantes de la Univ. de Concepción.

Wann: 31.01.2012 | 19:00 Uhr
Wo: Uni Hamburg, Hauptgebäude, Hörsaal 1, Hamburg

Organisiert von der Rosa Luxenburg Stiftung Hamburg, dem Fachschaftsrat Erziehungswissenschaften und der GEW-Studierendengruppe

Aus UUUUPPSS

PS: Hier eine Kurz-Doku von AlJazeera zu der StudentInnenbewegung für freie Bildung in Chile

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