GEW-Studis empfehlen: Film- und Diskussionsveranstaltung: „Neue Lernkulturen und Subjektorientierung“

Film- und Diskussionsveranstaltung: „Neue Lernkulturen und Subjektorientierung“

Die Verbindung von Ökonomie und öffentlicher Bildung ist so offensichtlich, dass sie kaum auffällt. Das mag daran liegen, dass Veränderungen des Kapitalismus und der Ausbeutung des lebenslänglich lernenden Menschen sich in grell blendenden Begriffen wie Wissensgesellschaft und Neue Lernkulturen spiegeln. Der finanzierungsgetriebene Wettbewerb zwischen den Schulen erscheint als deren Autonomie. Die Relativierung gegenstandsbezogener und personal vermittelter Lernprozesse als Selbstaktivierung der Lernenden durch Problemlösungskompetenzen. Und die Schulen ändern sich neben alledem (un-)bewusst inmitten der Kompetenzorientierung, welche eng mit der Idee des homo oeconomicus in der Humankapitaltheorie verknüpft ist.

Auch die GEW erkennt das Bildung – „der Rohstoff, der zwischen unseren Ohren wächst“ (Motto einer GEW-Kitatagung 2003) – und der transnationale High-Tech-Kapitalismus eng verzahnt sind. Dass das zunehmende Zur-Ware-werden von Wissen und Bildung – über die Beschränkung des Zugangs und durch Ausschluss aus der Nutzung des Gemeinguts Wissen – ein wesentliches Merkmal der so genannten Wissensgesellschaft ist, wird problematisiert. Die These Klaus Holzkamps von 1973, dass der Benotungsstandpunkt der Lehrerinnen mit dem Verwertungsstandpunkt des Kapitals korrespondiert, erscheint also nach wie vor hochaktuell.

Schon deshalb soll in dieser Nachmittagsveranstaltung nach den Verbindungslinien von Bildung, Lernen und der neuen Produktionsweise des transnationalen High-Tech-Kapitalismus gefragt und nachgespürt werden, wie mit der Zuspitzung des klassischen pädagogischen Grundkonflikts – andere Menschen in Unfreiheit zur Freiheit erziehen zu wollen – in den aktuellen Zuständen auf eine vernünftige, sprich emanzipatorische Weise umgegangen werden kann. Kann – und wenn, wie – die Ambivalenz aufgelöst werdem, nach der das scheinbar selbstbestimmte Lernen des Müssen-Wollen kaum weniger fremdbestimmt ist als der klassische Frontalunterricht? Was tun, wenn ein Teil der Autorität in die Schülerinnen und Studierende verlagert wird, Selbstbestimmung tendenziell auf Selbstdisziplinierung hinausläuft?

Zur Einstimmung auf die Problematik werden folgende Filme gezeigt:
„Auf der Suche nach der Schule der Zukunft“ von Reinhard Kahl
„Freie Alternativschulen“ von Ralf Blankenberg und Michael Maas

Das widerständige Denken nicht aufgeben könnte Motto dieses Nachmittags sein.

Wo: GEW Geschäftsstelle Hamburg, Rothenbaumchaussee 15, 20148 Hamburg
Wann: Samstag, 02. April 2011, 14.00 – 19.00 Uhr

Leitung: Enno Janssen

Kosten: kostenlos für GEW-Mitglieder (inkl. Verpflegung)
Nichtmitglieder 10 Euro (inkl. Verpflegung)


Anmeldung:
(unter Angabe von Name, Adresse, Email, Ermäßigungsanspruch) bei Kollegin Annette Meents, 040 – 41 46 33-22, per Fax 040/ 44 08 77 oder per E-mail: E-Mail-Adresse

Vorbereitungsmöglichkeiten:
- Thomas Höhne: „Pädagogisierung sozialer Machtverhältnisse“ herunterladbar unter: copyriot.com/gouvernementalitaet/PsM.rtf
- Maya Dolderer (2010): „Auf der Suche nach dem richtigen Lernen im Falschen. Die ‚Neue Lernkultur‘ auf dem Prüfstand“, aus: Kritische Lehrer_innen. Kein Handbuch (2010)

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