Veranstaltungsreihe zur Hamburger Migrationspolitik und Rassismus

Veranstaltungsreihe zur Hamburger Migrationspolitik und Rassismus

Horst Seehofer will „Multikulti“ abschaffen, Sarrazin will die deutsche Leitkultur und ihre Gene vor „fertilitätsfreudigen“ Muslimen schützen und Sarkozy veranlasst Massenabschiebungen von Roma und Sinti, weil sie angeblich eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen und die Sozialsysteme übermäßig belasten. Diese Ereignisse werden zwar viel diskutiert und führen auch zu manchem Aufschrei, dennoch folgen keine Konsequenzen für diese Personen der Öffentlichkeit.

Wie wirken sich diese Äußerungen und Zustände auf die derzeitige Flüchtlingspolitik aus und was bedeutet es für Migranten und Migrantinnen, wenn sie diskriminiert und als Gefahr dargestellt werden? Klar ist, Rassismus nimmt in unserer Gesellschaft wieder stark zu. Abfällige Äußerungen gegen Mitbürger_innen, die als „fremd“ wahrgenommen werden, sind keine Seltenheit. Stattdessen wird mittlerweile gerne behauptet, Sarrazin und Seehofer hätten „uns“ endlich von dem moralischen Maulkorb befreit, der es ständig verbiete, „die Wahrheit“ auszusprechen.

In der öffentlichen Wahrnehmung steht dabei jedoch nur selten die Sicht derjenigen, die davon betroffen sind, im Vordergrund. Vor dem Hintergrund der Innenministerkonferenz, die vom 17. – 19. November in Hamburg stattfinden wird, wollen wir mit unserer Veranstaltung zur Flüchtlingspolitik in Hamburg auf die Phänomene Abschiebung und Rassismus aufmerksam machen und die Situation in den Flüchtlingslagern um Hamburg beleuchten.

Veranstaltung I:

Wir sprechen über Rassismus an Schulen!
Auch wenn tagtäglich Menschen von Rassismus betroffen sind, wird darüber kaum gesprochen. Meist wird unter Rassismus zudem eine extrem (rechte) Ideologie verstanden, die sich lediglich in eindeutig beleidigender und gewalttätiger Form äußern könne. Dieses verkürzte Verständnis von Rassismus vernachlässigt jedoch seine alltäglichen und administrativ verankerten Formen. Auch in Bildungseinrichtungen wie Schule oder Uni findet rassistische Ausgrenzung und Diskriminierung statt.

Wir wollen in unserer Veranstaltung genau auf diese Problematik hinweisen und mit einer Referent_in des „Netzwerk Rassismus an Schulen“ (NeRaS) über ihre Arbeit sprechen. NeRaS arbeiten u.a. daran, individuelle Fälle von Rassismus an Schulen zu sammeln und zu dokumentieren, um damit sowohl die betroffenen Individuen auf Ihren Wegen zur Gleichberechtigung zu stärken und zu unterstützen. (Infos zu NeRas)

Wann: Donnerstag 4. November 2010, 18:00 Uhr
Wo: Von Melle Park 8 (Uni Hamburg), Raum 208

VERANSTALTUNG II:

„Migrationspolitik in Hamburg – Bewegungen und Kämpfe gegen institutionellen Rassismus“

Schätzungen zufolge leben ca. 100.000 Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung in Hamburg. Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind auch heute noch einer Vielzahl von institutionellen Diskriminierungen (Residenzpflicht und weitere spezielle Ausländergesetze) ausgesetzt, von denen in der Öffentlichkeit wenig oder gar nicht die Rede ist. Bereits zwei
Menschen in Abschiebehaft nahmen sich in diesem Jahr in Hamburg aus Angst vor Abschiebung das Leben. Gleichzeitig werden vom Hamburger Senat seit 2006 Flüchtlinge in einer ehemaligen JVA Kaserne in Horst (Mecklenburg) festgehalten.

Mit unserer Veranstaltung wollen wir einen Überblick über die jüngere Geschichte der Hamburger Flüchtlingspolitik geben, über die schwierige Situation von Migrant_innen ohne festen Aufenthaltsstatus informieren und Möglichkeiten des Engagements gegen Rassismus aufzeigen.
Als ReferentInnen sind Melanie Cagic und Leslie Gauditz von der Beratungsstelle Café Exil und betroffene Jugendliche von der Organisation Jugendliche ohne Grenzen (JOG) eingeladen. JOG ist ein bundesweiter Zusammenschluss jugendlicher Flüchtlinge verschiedener Herkunftsländer, die vom 17. 21. November anlässlich der Innenministerkonferenz in Hamburg eine Konferenz unter dem Motto „I ♥ Bleiberecht“ ausrichten.

(Weitere Infos zum Café Exil; zu Jugendliche ohne Grenzen

Wann? Mi. 10.11.2010 18:00 Uhr
Wo? Von-Melle-Park 8 / Raum 05

Organisator_innen: Regenbogen/Alternative Linke und GEW- Studis

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WEITERE TERMINE: 13. – 19. November 2010
Gegen die Innenministerkonferenz, rassistische Flüchtlingspolitik, staatliche Repression und innere Sicherheitsdiskurse

Sa. 13.11. 14 Uhr Hachmannplatz (Hauptbahnhof): Antirassistische Auftaktdemo

Sa. 13.11. Jump and Run – DEMO [AKTION] RAUM (siehe )

Sa. 13.11. 18 Uhr Gänsemarkt: Antirepressionsdemo

Mi. 17. – So. 21.11. Unter dem Motto I ♥ Bleiberecht findet die 8. bundesweite Jugend ohne Grenzen (JOG)-Konferenz in Hamburg statt. Geduldete Jugendliche sagen zur Innenministerkonferenz in Hamburg: „Wir sind gekommen, um zu bleiben – und gehen nicht mehr weg!“. (Mehr Informationen)

Mi. 17.11. 17.30 Uhr, Hachmannplatz: Demo von Jugendliche ohne Grenzen (JOG) und antirassistischen Gruppen.

Do. 18.11. »Cross the City« Antirepressive Schnitzeljagd.

Do. 18.11. 18 Uhr JOG Gala.

Fr. – So. 10. – 12.12. Wochenendseminar: Erscheinungsformen, Kritik und Analyse des antimuslimischen Rassismus @ HAW Hamburg, Campus Berliner Tor. Als Referent_innen sind u. a. eingeladen: Prof. Iman Attia, Dr. Manuela Bojadzijev, Prof. Gazi Caglar, Prof. Sabine Schiffer, Jugendliche ohne Grenzen (JOG), Integration-Nein-Danke!, Beratungsstelle ReachOut. Und als Abschluss-Performance die antirassistische Show Edutainment Attacke mit Noah Sow und Mutlu Ergün! (Mehr Informationen zu Programm und Anmeldung).

Von UUUUPPSS
Rassismuskritik Veranstaltungen