Archiv für Oktober 2010

GEW-Studis empfehlen: 18. Nov. Auftaktveranstaltung „Jetzt geht’s los! – Wissenschaft gemeinsam gestalten – Traumjob Wissenschaft?“

„Jetzt geht’s los! – Wissenschaft gemeinsam gestalten – Traumjob Wissenschaft?“
Eine Auftaktveranstaltung der Fachgruppe Hochschule und Forschung der GEW

Bei dieser offenen Veranstaltung wollen wir mit Nachwuchswissenschaftler/Innen, Doktorand/Innen und Interessierten diskutieren, wie die Universitätsstrukturen gestaltet werden müssen, damit Nachwuchswissenschaftler/Innen und Doktorand/Innen mehr Mitbestimmungsrechte an den Universitäten erhalten und ihre „Universitätskarriere“ besser organisieren können. Insbesondere Promovierende aber auch Angestellte an den Universitäten haben häufig finanzielle Schwierigkeiten, es gibt fast keine Formen von Interessenvertretung und entsprechend auch wenig Möglichkeiten der Mitbestimmung. Als Diskussionsgrundlage stellt Klemens Himpele von Hauptvorstand der GEW das Templiner Manifest – Für eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung vor.

Informationen zum Templiner Manifest sind unter www.templiner-manifest.de zu finden.

Ziel dieser Veranstaltung ist die Weichenstellung für eine kleine Wissenschaftskonferenz, bei der ausführlich die einzelnen Punkte diskutiert werden und konkrete Vorschläge entwickelt werden sollen. Letztlich sollen Doktorand/Innen und Nachwuchswissenschaftler/Innen hier auch die Möglichkeit haben, sich besser zu vernetzen.

Für Snacks und Getränke ist gesorgt.


Auftaktveranstaltung „Jetzt geht’s los! – Wissenschaft gemeinsam gestalten – Traumjob Wissenschaft?“
18. November um 18 Uhr im Hauptgebäude der Universität Hamburg (ESA 1, Hörsaal H)

Kontakt: www.gew-hamburg.de // huf@gew-hamburg.de // www.gew.de/Wissenschaft.html

BUKO – Arbeitsschwerpunkt Bildung & Emanzipation 29. – 31.10.2010

BUKO – BiEmer_innen – Seminarwochenende 2.2

Thema: „Inter-/transnationalis tische Perspektiven auf Bildung und Lernen“ vom 29. – 31.10.2010

Einladung + Programm Hier als PDF

Anmeldung (bis 20.10.2010) unter: mail@buko.info
Teilnahmegebühr: 20 Euro, Teilnehmer_innenzahl: max. 20 Personen

Reisekosten: könnten (anteilig) übernommen werden, da der BUKO-BiEm prekär finanziert ist, wäre es schön, wenn Du vor Ort schaust, ob die Kosten dort (vom AStA etc.) getragen werden können.
Nutze doch ansonsten günstige Möglichkeiten wie bspw. http://www.mitfahrzentrale.de/

Ort: „Curio-Haus“ Rothenbaumchaussee 15 in 20148 Hamburg. Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis Bahnhof Dammtor und dann weiter schräg-links-geradaus

Kontakthandy vor Ort: 0178/697 44 75

In Kooperation mit den GEW-Studis – Hamburg
Unterstützt durch Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung

Demokratie statt Integration

„Demokratie statt Integration“ ist eine Stellungnahme als Reaktion auf die Diskurse, die seid der Buchveröffentlichung eines gewissen Ex-Bundesbänker verstärkt in der Öffentlichkeit geführt werden.

Der Aufruf ist im Netzwerk kritische Migrations- und Grenzregimeforschung (kritnet) entstanden. Das ist ein Zusammenschluss von Personen aus Wissenschaft, Aktivismus, Kunst und NGOs, die sich kritisch mit dem staatlichen, politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Umgang mit Migration auseinandersetzen.

Der Aufruf (Hier als PDF zum runterladen) :

Demokratie statt Integration

Die Bundesbank ist Thilo Sarrazin los. Damit ist die Geschichte aber längst nicht vorbei. Denn beunruhigend sind nicht allein die populistischen Thesen dieses Bankiers, beunruhigend ist vielmehr die Plausibilität, die seinen Ausführungen zugestanden wird. Eine erstaunliche Anzahl von PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und MeinungsmacherInnen sind sich einig: Der Sarrazin’sche Biologismus hat zwar in Deutschland einen besonderen Hautgout, im Kern aber habe der Mann doch Recht. Nicht wenige feiern den ehemaligen Finanzsenator Berlins als Tabubrecher mit visionärem Blick für Deutschlands Zukunft. Wir fragen: welches Tabu? Die Skandalisierung der Migration gehört zum Standardrepertoire in Deutschland. Es ist sinnlos, den infamen Behauptungen von Sarrazin et al. wissenschaftliche Fakten entgegenstellen zu wollen, um zu beweisen, was MigrantInnen „wirklich“ tun oder lassen.

Man kann diese Debatte nicht versachlichen, denn nichts an ihr ist richtig. Wir akzeptieren schlicht keine Haltung, die gesellschaftliche Verhältnisse nach Kosten-Nutzen-Erwägungen durchrechnet und Arme und MigrantInnen zur Ausschusspopulation erklärt. Dies geschieht im Kontext einer globalen Wirtschaftskrise, von der nur allzu klar ist, wer ihre Folgen tragen soll.

Wir wollen das Offensichtliche klar stellen. Wir leben in einer Einwanderungsgesellschaft. Das bedeutet: Wenn wir über die Verhältnisse und das Zusammenleben in dieser Gesellschaft sprechen wollen, dann müssen wir aufhören, von Integration zu reden. Integration heißt, dass man Menschen, die in diesem Land arbeiten, Kinder bekommen, alt werden und sterben, einen Verhaltenskodex aufnötigt, bevor sie gleichberechtigt dazugehören. Aber Demokratie ist kein Golfclub. Demokratie heißt, dass alle Menschen das Recht haben, für sich und gemeinsam zu befinden, wie sie miteinander leben wollen. Die Rede von der Integration ist eine Feindin der Demokratie.

Noch vor kurzem wurden MigrantInnen der besonderen Missachtung von Frauenrechten bezichtigt. Die aktuelle Hysterie zeigt aber einmal mehr, dass es den KritikerInnen der Migration nicht um Gleichberechtigung geht: Hier wird über Frauen nur noch als Gebärende gesprochen, die entweder zu viel oder zu wenig Nachwuchs produzieren. Es muss darum gehen, rechtliche und politische Strukturen zu schaffen, die es MigrantInnen ermöglichen, selbstbestimmt ihr Leben zu gestalten – und das beinhaltet auch, das Ausländerrecht zu verändern.

Wenn selbsternannte LeistungsträgerInnen sich ein quasi „naturgegebenes“ Recht zubilligen, über die Daseinsberechtigung anderer zu urteilen, dann ist das wohl ein neuer Mix aus Neoliberalismus und Rassismus. Bisher wurden Sprache, Kultur und religiöse Gebräuche der migrantischen Minderheiten für deren Lebensverhältnisse verantwortlich gemacht. Jetzt sollen es die Gene sein. Bisher wurde behauptet, dass durch Leistung, Arbeitsethos und Anpassung ein Platz in der Gesellschaft gesichert ist. Jetzt wird ganzen Gruppen nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Fähigkeit dazu abgesprochen. Inakzeptabel ist nicht nur der Rassismus, der in den Ausführungen von Sarrazin und seinen Mitläufern steckt, sondern auch die darin enthaltene Konsequenz, Hierarchien in dieser Gesellschaft als unverrückbar zu erklären und damit Politik an sich, die Konflikte, Verhandlungen und Kämpfe um ein besseres Leben für sinnlos zu erklären.

Es sind politische Entscheidungen, die für die Verarmung und soziale Deklassierung zunehmender Teile der Bevölkerung verantwortlich sind. Reden wir davon, wie dieses Deutschland jahrzehntelang den Eingewanderten ihre sozialen und politischen Rechte vorenthalten hat. Reden wir davon, dass MigrantInnen der Zugang zu Bildung, Wohnraum und Arbeitsplätzen, in öffentliche Institutionen und Ämter ebenso wie in Clubs und Fußballvereine systematisch erschwert wird. Das Problem sind weder die Armen noch die MigrantInnen, das Problem ist eine Politik, die Armut und Rassismus produziert. Das Problem ist eine Gesellschaft, die sich auch über Ausgrenzung definiert.

Unübersehbar ist, wie viele Sarrazin eilig beispringen und nach dem Recht auf Meinungsfreiheit rufen, ganz so, als ob er ein Problem hätte, seine Thesen öffentlich zu machen. Die Kritik an ihm wird zum Angriff auf die Freiheit des Wortes stilisiert. Der Aggressor wird so zum Opfer, auch das ist leider eine sehr gewöhnliche Inszenierung. Wer Sarrazins bevölkerungspolitische Ansichten übernimmt, arbeitet mit an der Spaltung unserer Gesellschaft.

Denn: Wenn Integration irgendetwas bedeuten kann, dann doch nur, dass alle drin stecken!

„Templiner Manifest“

„Templiner Manifest“ Traumjob Wissenschaft.
Für eine Reform der Personalstruktur und Berufswegen in Hochschulen und Forschung

Auf der 4. GEW Wissenschaftskonferenz in Templin wurde das „Templiner Manifest“ verabschiedet, welches sich mit der Schaffung von verlässlichen Berufsperspektiven für Wissenschaftler/innen befasst.

Die prekäre Beschäftigungssituation an deutschen Hochschulen belastet nicht nur Dozierende sondern geht in jedem Fall auch zu Lasten der Studierenden. Wenn der Betreuungsschlüssel sinkt und persönliche Beratung kaum noch möglich ist, bzw. aufgrund der (extrem) befristeten Stellen eine Begleitung der Lernprozesse nicht mehr statt finden kann, da man in jedem Semester mit neuem Lehrpersonal konfrontiert wird oder das Lehrpersonal, mit der Karriereplanung beschäftigt („wo bekomme ich für die nächsten 6 Monate einen Vertrag her?“) schlicht weg keine Ruhe mehr für die Betreuung hat, verschlechtert sich auch für uns Studierende die Situation. Daher ist es wichtig, dass wir mit Beschäftigten an Hochschulen zusammen für bessere Arbeitsbedingungen an Hochschulen einstehen. Bessere Arbeitsbedingungen heisst in diesem Fall auch bessere Lernbedingungen.

Das Templiner Manifest kann online unterzeichnet werden. Hier der Link mit weitere Informationen.