Chance verpasst…!

Chance verpasst…!

„Bildung, im deutschen Sinne, ist anti-revolutionär und widerspricht insofern ihrer eigenen Idee. So hat die Idee der Bildung in Deutschland dem ›autoritären Staat‹ und dem ›autoritären Charakter‹ den Weg bereitet; der Widerspruch der Bildung in Deutschland führte zu ihrer Selbst-Liquidierung“
. (Prof. Stapelfedl, „Bildung ist keine Ware?“ )

Die bildungselitäre Volksinitiative „Wir wollen [ohne Arbeiterkinder] lernen“ war (mit Unterstützung vom Deutschen Leherverband (DLH), Deutscher Philologenverband (DPhV), FDP, Freie Wähler, NPD und der bürgerlichen Presse) erfolgreich!!

Es stimmten 276.304 Hamburger_innen für die B.Scheuerl Initiative, nur 218.065 für die Pläne des schwarz-grünen Senats. Insgesamt beteiligten sich rund 491.600 Hamburger_innen also fast 40% der Wahlberechtigten an der Abstimmung.

Bei diesem Schulreform-Kompromiss ging es nicht um irgend ein emanzipatorisches Projekt, sondern lediglich um ein – wenn auch unzureichender – Schritt in die pädagogisch richtige Richtung. Und um eine tendenzielle Abkehr vom viergliedrigen Schulsystem als historisch überholtes deutsches Unikat.

Man erhoffte sich nicht dadurch die Reproduktion von sozialer Ungleichheit in der Schule abzuschaffen, sondern lediglich im (neo)liberalem Sinn mehr „Chancengleichheit“ für Arbeiter- und Migrant_innen Kinder auf Ausbildungs- und Lohnarbeitsplätze durch zwei Jahre längeres gemeinsames lernen zu erreichen.

Doch auch dass war wohl vielen Hamburgern zu viel des Neuen bzw. die bürgerliche Mittelschicht (und die dazu gehören wollen) die einen Abstieg nach ‚unten‘ fürchteten, hatte Angst um ihre bestehenden (Bildungs-) Privilegien…..!

Das Ergebnis heißt jedoch nicht, dass die Idee Kinder nach der vierten Klasse zu getrennen besser wird. Das ist sozial ungerecht und pädagogisch falsch und Deutschland steht mit dieser Praxis weltweit allein auf weiter Flur.

Trotzdem muss man das Bildungspolitisch (bzw. Hegemonietheoretisch) jetzt erst einmal gründlich analysieren.
Eine diffenziertere Analyse wird folgen!

Hier jedoch einige Artikel, die darauf hinweisen warum so abgestimmt wurde, wie abgestimmt wurde.

- The Dishwasher: Hamburger Volksentscheid: Wahlbeteiligung spiegelt Armutsverteilung

- Taz: Mobbing der Bürgerlichen

- Zeit-online: Zäune und Wachmannschaften

- Kommentar von Klaus Bullan, Vorsitzender der GEW Hamburg

Und auch der Vortrag von Prof. Hartmann hat bereits vor dem Volksendscheid ein paar Hinweise dafür gegeben wo das eigendliche Problem liegt…!

„Die selbsternannte Elite – und wie sie sich in Hamburg gegen längeres gemeinsames Lernen stellt“ – Vortrag von Dr. Michael H from Gerhard Schrübel on Vimeo.