Archiv für Mai 2010

Veranstaltungs-Tipp: „Schöne neue Bildung?“

„Schöne neue Bildung?“ – Konferenz zur kritischen Reflexion der gegenwärtigen Hochschulgestaltung und zur Entwicklung emanzipatorischer Alternativen

Europa soll – so will es die viel zitierte Lissabon-Strategie der EU – bis zum Jahr 2010 „zur wettbewerbsstärksten und dynamischsten wissensbasierten Ökonomie der Welt”[1] gerüstet werden. Der damit einhergehende ökonomische Strukturwandel, der bereits im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts eingeleitet wurde, brachte eine grundlegende Umgestaltung des gesamten öffentlichen Sektors mit sich. Einbezogen sind darin auch und gerade die Einrichtungen des Bildungswesens und in besonderem Maße die Universitäten. Soweit es die Universitäten betrifft, soll die beabsichtigte Strukturreform in Richtung ‚Wissensgesellschaft’ in diesem Jahr, mit dem Ende des Bologna-Prozesses, formal abgeschlossen werden.

Die Anforderung, die mit der Strukturreform an die Universitäten gerichtet wird, besagt, dass diese sich auf die Mechanismen kapitalistischer Konkurrenz einzustellen und entsprechend nach einzelbetrieblichen Management-Prämissen umzustrukturieren haben. Betont wird die ökonomische Rolle der Universitäten im internationalen Wettbewerb. Dass Universitäten jedoch auch darüber hinaus gehende, vielleicht sogar noch ganz andere Funktionen und Bedeutungen haben könnten und sollten, wird dagegen kaum artikuliert.

Dieser Sachverhalt wirft verstärkt Fragen genau hiernach auf: Welche gesellschaftliche Rolle soll und kann die Universität in Zukunft spielen? Ist die Aufgabe der Universität, „ihre Kräfte für die Gestaltung einer humanen, toleranten und friedlichen Welt einzusetzen“,[2] in Zeiten des Neoliberalismus obsolet geworden?

Europaweit organisieren Mitglieder der Universitäten Widerstand gegen die dominante Ausrichtung von Forschung, Lehre und Studium auf ökonomische Konkurrenz und marktförmige Verwertbarkeit. In der öffentlichen Rezeption dieses Widerstands wurden die Proteste jedoch auf reformierbare Einzelaspekte, wie z.B. die hohe Prüfungsdichte, reduziert. Diese sind aber nur Symptome und nicht Ursache des zu kritisierenden Sachverhalts.

Mittels kritischer Reflexion der vorgesehenen und der wünschenswerten Gestaltung der Universität wollen wir Alternativen einer Universität im 21. Jahrhundert ausloten, die friedlich, fortschrittlich und emanzipatorisch sind. Wir laden hiermit alle Interessierten zur Teilnahme ein!

Hier das Programmheft als PDF und noch mehr Infos gibt’s auf: www.schoene-neue-bildung.de

Euromayday: Statement zur Schulreform

Pro Schulreform Alter! – Wir sind nicht die Typen, die sich mittags beim Rotary-Club treffen und auch nicht die Frauen, die beim Golfen über Ratings diskutieren. Wir sind diejenigen, die bei Lidl einkaufen, mit dem Latte-Becher ständig auf Achse sind und auch wenn wir nicht alle Kinder haben, sind wir Kinder der Bildungsreform, und es geht uns sehr wohl was an, wie Bildung in dieser Stadt verhandelt wird.
Die Herren und Frauen der Excellenzklasse Hamburg meinen, sie wollen lernen? Wir sagen, wenn sie von Bildung reden, wollen sie ihren Besitzstand bewahren.
Haben die etwa Angst, mit uns oder unseren Kindern zu lernen!?? Dann sollen sie die Finger lassen von den staatlichen Schulen und mit ihrem Schotter eigene Elitenschulen bauen, wo sie unter sich bleiben können.
Wir lernen schon! Und zwar gemeinsam, denn lernen ist für uns neugierig sein, Akzente und Besonderheiten verstehen, Umwege genießen, mehr Wissen als vorher haben, fragen, Infrage stellen, inne halten, sich Platz nehmen, seinen Platz finden, weiter machen, abchecken, aushandeln, sich streiten, sich einigen und alles speichern und verknüpfen.
Handeln und teilhaben.
Es ist die Stadt, mit ihrer Unterschiedlichkeit, die klug macht, und es sind nicht die Bildungsghettos der Parallelgesellschaften in Blankenese, Pöseldorf und Co.
Unser Grinsen wird euch (am 18. Juli) in die Wahlkabinen begleiten.
Und am Ende lacht das akademische Proletariat!

((auch schon Redebeitrag auf der Parade))

GEW-Studis empfehlen: Der Bildungsadel spricht zu den Massen!

Jedes Kind ist anders!

Eine Bauernschule, eine Bürgerschule, eine Gelehrtenschule – so sah und sieht unser Bildungsideal aus. Denn: Was früher richtig war, kann doch heute nicht falsch sein!
Im dreigliedrigen Schulsystem sehen wir Bildungsvielfalt in ausgezeichnetem Maße. Schließlich wissen wir: Begabung wird vererbt! Und vom Erben verstehen wir etwas. Außerdem möchten wir nicht, dass unsere Kinder mit Proletarierkindern in Kontakt kommen. Die sind oft sehr rüpelhaft.

Unter den Älteren von uns können sich viele noch gut erinnern: Unter der napoleonischen Schreckensherrschaft gab es schon einmal ein Gebilde, das unter dem Namen „Ecole Primaire“ eine Grundschule für alle darstellte. 1920 waren es dann die Novemberverbrecher, die unserem heiligen Vaterlande eine solche Schule aufzwangen. 1948 waren es wiederum Fremdländer, nämlich die sog. alliierten Besatzungsmächte, welche zuvor unser Land raffgierig und völlig grundlos unterworfen hatten, die dem deutschen Volk eine noch längere Einheitsschule aufzwängen wollten. Später waren es dann irgendwelche langhaarigen Affen, die was von „Gesamtschule“ redeten. Wir haben uns stets erfolgreich dagegen gewehrt, und wir werden es immer wieder tun!

Ole, ein gefallener Engel

Ausgerechnet Ole von Beust, von der CDU, der einst noch mit höchst seriösen Politikern (Ronald B. Schill) koalierte, hat sich nun von den Agenten Moskaus, den sog. Grünen, unter ihre ökoterroristischen Fittiche nehmen lassen. Diese Extremisten, die man unserer Ansicht nach noch nicht einmal in die Nähe des Rathauses lassen dürfte, dürfen nun über das Schicksal unserer Kinder entscheiden! Dass die CDU in der Frage der Bildung jetzt auch noch mit den Postkommunisten und Stalinisten der Linkspartei ins Bett steigt, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

Jetzt ist es Zeit sich zu wehren! Unser Schulsystem verteidigen heißt auch unsere Ehre verteidigen! Nur in den Bundesrepubliken Deutschland und Österreich ist doch überhaupt noch standesgemäße Bildung möglich, wie zahlreiche internationale Studien beweisen. Schimpf und Schande allen anderen Nationen, die sich längst von den Gleichmachern haben unterbuttern lassen! Hier sind wir ganz Lutheraner, denn für uns gilt: Jeder soll in seinem von Gott gegebenen Stand bleiben. (vgl. 1. Korinther 7,20)

Wir sind Yuppies, was seid ihr?!

Wir lassen nicht zu, dass mit unserem Geld den unteren Kasten der Zugang zu höheren Schulen erleichtert werden soll. Schließlich sind wir die Leistungsträger dieses Landes und unsere Kinder sollen das merken. Mit „Zweitem Bildungsweg“ und „Integrierten Gesamtschulen“ hat man unsere Geduld schon genug strapaziert. Jetzt ist ein akademisches Proletariat heran gewachsen, das sich kaum noch kontrollieren lässt. Wir werden dies nicht länger hinnehmen!

Die Primarschule ist ein Menetekel auf dem Weg zur Gleichschaltung und der Entziehung unserer bürgerlichen Rechte. Am Ende droht der Super-GAU (Gemeinschaftschule) und der damit verbundene Untergang des Abendlandes. Wehret den Anfängen! Am Ende wird sich Deutschland noch in eine sozialistische Volksrepublik, wie die USA oder das Vereinte Königreich verwandeln.

Die Primarschule ist mit allen zur Verfügung stehenden Waffen zu verhindern!

Kommt zu unserer Kundgebung am Dienstag, 8. Juni!
17.00 Uhr – Rathausmarkt
Um adrette Kleidung wird gebeten.
Der Bildungsadel – Herkunft muss sich wieder lohnen!

Höhr-Tipp

Michael Hartmann zum Hamburger Schulkampf

Wer mehr zu den Hintergründen des Hamburger Schulreform-Streit erfahren willen, dem sei das Interview von Prof. Michael Hartmann (Eliteforscher der Uni Darmstadt), mit dem „Freies Sender Kombinat“ aus Hamburg ans Herz gelegt.
Es ist mit 43 Minuten etwas länger, dafür geht Hartmann jedoch auch auf die gesellschaftspolitische Bedeutung von Bildung und Klassismus ein.

Sehr Interessant !!

Heraus zum 5. Juni!


Schulverbesserer-Parade
für längeres gemeinsames Lernen in der Primarschule


Am 18.7.2010 entscheiden die Hamburger_innen in einem Volksentscheid, ob unsere Kinder in Zukunft länger gemeinsamem Lernen oder ob – nach dem Willen der Bildungselitären Initiative „Wir wollen [nicht mit Arbeiterkindern] lernen“- weiterhin nach der vierten Klasse frühzeitig selektiert werden.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass das derzeitige deutsche Schulsystem eben wegen seiner Mehrgliedrigkeit das Selektivste in den sog. westlichen Industrieländern ist. Bereits die PISA-Studien haben belegt, dass die Wahrscheinlichkeit eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen, für ein Akademikerkind in Deutschland etwa siebenmal so hoch wie jene eines Facharbeiterkindes ist. Das bedeutet konkret, dass der Bildungserfolg eines Kindes maßgeblich von seiner Herkunft abhängt. Auch der UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung, Vernor Muñoz stellte 2007 fest, dass die frühe Selektion im deutschen Schulsystem sowieso schon benachteiligte Kinder doppelt benachteiligt: Kinder aus sozial schlechter gestellten Schichten, Kinder mit sog. Migrationshintergrund und Kinder mit sog. Behinderungen werden systematisch benachteiligt und diskriminiert.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass längeres gemeinsames Lernen, wie es in vielen anderen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt wird, die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler nicht einschränkt und gleichzeitig aber Leistungsschwächere mehr gefördert werden. Alle Schülerinnen und Schüler profitieren also von der geplanten Schulreform.

Für uns als junge Lehrer_innen, Studierende und Beschäftigte in pädagogischen Einrichtungen ist klar: auch wenn 6 Jahre nur ein kleiner Schritt zu längerem Lernen sind, so ist es in der derzeitigen Situation absolut nötig, für die Primarschule und gegen die Scheuerl-Initiative zu stimmen. Denn das schwarz-grünen Reförmchen ist ein – wenn auch unzureichender – Schritt in die richtige Richtung um das viergliedrige Schulsystem als historisch überholtes deutsches Unikat zu überwinden.

Zudem kommt dem Volksentscheid bundespolitisch eine große Bedeutung zu: Denn sollte der (Schul)Klassenkampf von der elitären „Wir wollen lernen“ Initiative Erfolg haben, dann sind Bildungsungerechtigkeit für die nächsten Jahre und damit eine Privilegiensicherung für eine bestimmte Gruppe festgeschrieben!

Schulverbessererparade Für längeres gemeinsames Lernen in der Primarschule!
Samstag, 5. Juni 2010 Auftakt 12:00 Moorweide

Info- und Diskussionsveranstaltung zur Schulreform: 10. Juni, 19:00 Uhr im Von-Melle-Park 8 Raum 206

GEW-Studi-Tipp

Infos zum Schulreförmchen an der Uni HH

Montag den 31. Mai wird es um 18:00 Uhr im Rahmen des öffentlichen Treffen der Studierenden Gruppe „Linke SDS“ Hamburg Informationen zur schwarz-grünen Schulreform geben, und darüber diskutiert wo Kritik von „linker Seite“ anknüpfen muss. Als Referent wird der Dipl. Sozialpädagoge Lars Buchmann (Die Linke/GEW) kommen. Er ist selbst Lehrer und hat den gesamten Prozess der Schulreform in Hamburg kritisch verfolgt.

Wann: 31. Mai , 18 Uhr
Wo: Hart Backbord, Raum 111, im „Pferdestall“, (Allende-Platz 1).

(Symbolischer) Warnstreik an der Uni HH

Aufruf zum symbolischen Warnstreik der stud. Beschäftigten

Liebe Kolleg_innen und Kommiliton_innen,

im Rahmen der dezentralen, bundesweiten Aktionen studentischer Beschäftigter im Mai 2010 findet am kommenden Mittwoch, den 12.5.2010 eine Aktion der Hamburger Initiative studentischer Beschäftigter auf dem Campus der Uni Hamburg statt.
Ab 12 Uhr wird es einen Infotisch im HWP-Foyer / Knallhart geben, an dem die Vorbereitungen für den symbolischen Warnstreik stattfinden werden.
Ab 14 Uhr ziehen wir dann gemeinsam vom Allendeplatz zum Präsidium der Uni Hamburg, um dort die Forderungen der VV vom Januar 2010 wirksam zu übergeben.

Kommt am Mittwoch zahlreich zum Infotisch und beteiligt euch an der Aktion:

Aufruf zum symbolischen
WARNSTREIK
von studentischen Beschäftigten
mit Forderungsübergabe an das Präsidium der Universität Hamburg

Wir treffen uns am Mittwoch (12.Mai) um 14 Uhr auf dem Allende-Platz. Von dort wollen wir dann gemeinsam zum Präsidium gehen, um unsere Forde- rungen zu übergeben und davor unseren symbolischen Streikposten abzuhalten. Ab 12 Uhr Infotisch im oder vormm Café Knallhart (VMP9/HWP) Mobilisierungstreffen und Schilder mit Forderungen beschriften

Aufruf als PDF und ein Link zu der Initiative der Studentischen Beschäftigten an der Uni Hamburg.

GEW Studi-Zeitung

„Read.me“ ist der Name der GEW-Zeitung für Studierende. Die Sommerausgabe 2010 ist jetzt erschienen und wird bundesweit an zahlreichen Hochschulen (hoffentlich von uns) verteilt und ist bei den Landesverbänden der GEW erhältlich.

Online ist die Zeitung unter folgender Adresse im read.me-Archiv im Internet verfügbar: (Ausgabe 2010 anklicken)

Aktuelle Themen der Sommerausgabe der read.me sind u.a.:

* „… dann kommt der Krieg zu dir“ – Bundeswehr an Bildungseinrichtungen

* „Hochschulen sollen den Kriegsdienst verweigern“ – Rüstungsforschung an Hochschulen

* „Studiengebühren sind sehr wohl ein Problem“ – Ergebnisse der 19. Sozialerhebung, Gastbeitrag des Generalsekretärs des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde

* „Kontrollierte Freiräume“ – gesellschaftkritisches Engagement an der Bologna-Hochschule

* „Die Ursachen liegen tiefer“ – Interview mit der Vorsitzenden der Österreichischen HochschülerInnenschaft, Sigrid Maurer

redme

Total Extrem…!

Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus und der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, Heino Vahldieck, haben am 07.05.2010 den aktuellen Verfassungsschutzbericht (für 2009) der Öffentlichkeit vorgestellt. Dort ist auf Seite 114 unter „5.2 Gruppen und Strukturen“ zu lesen:

„Im Januar 2009 organisierte AVANTI mit einer gewerkschaftlichen Studentengruppe eine sechsmonatige bundesweite Veranstaltungsreihe „Bildung im Kapitalismus“. Mehrere Veranstaltungen mit den Titeln „Schule im Kapitalismus“, „Lernverhältnisse im High-Tech-Kapitalismus“, „Zwischen Selbstaktivierung und der Organisation von Ungleichheiten“ sowie „Bildungsstreik: Geil oder Scheiße“ fanden im Hamburger Centro Sociale (5.1) statt.“ (Quelle: Verfassungsschutzbericht Hamburg, 2009)

Wir finden es schade, das der Hamburger Verfassungsschutz es nicht einmal schafft die Informationen die in Kooperation mit den Genoss_innen von Avanti und Noya organisierte Veranstaltung, richtig von der Internetseite abzuschreiben….!
Um zu verstehen wie wir als Gruppe, die sich kritisch mit Bildung in unserer Gesellschaft (Kapitalismus) auseinandersetzt in den Hamburger Verfassungsschutzbericht kommt, empfehlen wir euch das Kapitel „Die Vertreter_inn des Extremismus- Konzepts“ (Seiten 10- 13) in der Broschüre „Die Reihen fest geschlossen -Anatomie der Hamburger NPD und ihres Umfeldes“ von ver.di und Avanti . Dort heißt es:

„Beim Extremismus-Konzept handelt es sich also nicht um eine wissenschaftlich begründete Analyse, sondern um ein politisches Instrument, mittels dessen völlig gegensätzliche politische Richtungen gleichgesetzt werden (…).
Auch wenn manche Wissenschaftler_innen die Unzulänglichkeit dieser Doktrin erkannt haben, so findet sich der Begriff und das damit verbundene Konzept doch in den meisten wissenschaftlichen und medialen Veröffentlichungen. Ob in den Parlamenten, bei der Polizei, dem Verfassungsschutz, den Gerichten oder auch in der politischen Bildungsarbeit – fast ausschließlich findet das Kampfinstrument »Extremismus« Verwendung.“

Um noch mehr über die Vertreter_innen des Extremismus- Konzepts zu erfahren kann man sich auch mal den tollen Bildungscomics „Andi“ vom Verfassungsschutz NRW anschauen (Titelbild unten). Außerdem verweisen wir auf den Aufruf „Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!“ den wir als GEW-Studis im Januar 2010 mitunterzeichnet haben.

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(Schul)Klassenkampf

Am 18. Juli 2010 NEIN zu „Wir wollen lernen“ und
JA für das schwarz-grüne Schulreförmchen

Die schwarz-grünen Schulreform ist ein – wenn auch unzureichender – Schritt in die richtige Richtung um das viergliedrige Schulsystem als historisch überholtes deutsches Unikat zu überwinden. Bei aller Kritik an dem Schul-Reförmchen, geht es jedoch auch um ein symbolischen Kampf, der bundespolitisch eine große Bedeutung zukommt. Denn sollte der (Schul)Klassenkampf von der elitären „wir wollen lernen“ Initiative Erfolg haben, wird es in den nächsten Jahren Deutschlandweit kaum noch möglich sein, das feudale Bildungssystem zu überwinden.

Mit der Kampagne “Wir wollen lernen” wird per „Volksbegehren“ versucht, die von der schwarz-grünen Landesregierung initiierte Reform der Hamburger Schulstruktur aufzuhalten. Jegliche Tendenz zum längeren gemeinsamen Lernen oder gar der Überwindung des mehrgliedrigen Schulsystems soll schon im Keim erstickt werden. Initiator der elitären Kampagne ist Hobby-Pädagoge Dr. Walter Scheuerl, seines Zeichens Rechtsanwalt bei der Großkanzlei Graf von Westphalen aus Blankenese und Elternsprecher an einem Hamburger Gymnasium.

An die Stelle einer fundierten kritischen Auseinandersetzung bspw. mit dem Für und Wider der Sortierung von Kindern auf verschiedene Schulformen, setzen die wohlbetuchten Macher Geld. Extra für die Kampagne wurde die Firma “Frank Solms Nebelung Consulting” engagiert, ihres Zeichens „Gesellschaft für Krisen- und Veränderungskommunikation“, und ein Kampagnenbüro in bester Innenstadtlage eröffnet. Mit einem Volksbegehren als demokratisches Engagement der Bevölkerung hat das nur wenig zu tun.

Mit einer kalkulierten Mischung aus Panikmache und völlig haltlosen Behauptungen betreiben Scheuerl & Konsorten billige Propaganda um ihr soziales Bildungsprivileg in Form des Heiligtums Gymnasium zu retten. So wird z.B. in einer ekelhaften Verdrehung von Tatsachen propagiert, dass die Einführung von Stadtteilschulen die soziale Spaltung in der Stadt verschärfen würde. Das mehrgliedrige Schulsystem wird zugleich als Ausdruck erhaltenswerter “Bildungsvielfalt” dargestellt. Dabei ist in einer Vielzahl von Studien nachgewiesen worden, dass das deutsche Schulsystem eben wegen seiner Mehrgliedrigkeit weltweit eines der sozial selektivsten ist. Bereits die PISA-Studien hatten belegt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasiumbesuchs für ein Akademikerkind in Deutschland etwa siebenmal so hoch wie jene eines Facharbeiterkindes ist. (Selbst bei gleicher individueller Lese- und Mathematikkompetenz betrug dieses Verhältnis noch 4 zu 1.) In seinem Bericht als UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Bildung, stellte Vernor Muñoz 2007 fest, dass die frühe Selektion im deutschen Schulsystem sowieso schon benachteiligte Kinder zu doppelt benachteiligten macht. Kinder aus sozial schlechter gestellten Schichten, Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder mit Behinderungen werden systematisch benachteiligt und diskriminiert. Diese massive Ungleichheit als Bildungsvielfalt zu rechtfertigen, ist schlicht zynisch!

Hier scheint die High Society angesichts einer Zusammenlegung der Schülerinnen und Schüler verschiedener Lernstufen und sozialer Herkunft geradezu angewidert zu sein. Aber diese Reaktion hat Tradition: Schon 1920 war die Einführung der gemeinsamen Grundschule an Stelle der von vornherein geteilten Vorstufen der Volksschule und des Gymnasiums mit viel Widerstand aus der elitären Schicht verbunden.

Die Überwindung des bestehenden Schulsystems hin zu einem inklusiven Schulsystems, in dem sich SchülerInnen in solidarischen Lernformen gegenseitig in der Entwicklung unterstützen und nicht aufgrund von scheinobjektiven Leistungsunterschieden selektiert werden, ist dringend erforderlich. Der Schritt, der mit der aktuellen Schulreform in Hamburg getan wird, ist zwar letztlich ein halbherziger Kompromiss zwischen CDU und GAL, bleibt aber ein – wenn auch unzureichender – Schritt in eine pädagogisch sinnvolle Richtung. Die Forderung der Initiative „Wir wollen lernen“ nach Konservierung des Status Quo gilt es daher entschieden zurückzuweisen.

Internetseiten mit Initiativen die sich für die Schulreform stark machen:

Verein »Eine Schule für Alle«
„Schulverbesserer“

Chancen